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Die Magdalenenflut und Algeciras

Klimageschichte und insbesondere die Erforschung vergangener Naturkatastrophen findet nach wie vor große öffentliche Aufmerksamkeit – und so ist es nicht überraschend, daß über eine neue Untersuchung zur Magdalenenflut auch in Massenmedien, beispielsweise NTV (zuletzt aufgerufen am 20.09.2026), berichtet wurde. Die Studie zeigt auf, daß das Flutereignis vom Juli 1342 Teil einer Abfolge von insgesamt 16 schweren Überschwemmungen im Europa der Jahre 1341–1343 ist. Quid ad nos? Zumindest beiläufig wird auf S. 641 darauf eingegangen, daß die extremen Wetterbedingungen und die hieraus resultierende Unterbrechung von Transportwegen die Belagerung von Algeciras beeinträchtigten. Abgesehen davon ist die “Krise des 14. Jahrhunderts” auch in ihren klima- und umweltgeschichtlichen Dimensionen (vgl. z.B. diesen älteren Blogeintrag) an sich schon ein relevantes Thema bei der Beschäftigung mit der Regierungszeit des elften Alfons.

Andrea Kiss/Alberto Viglione/Mariano Barriendos u.a., Cascading continental-scale floods across Europe in 1342–1343, in: Nature 656 (2026), S. 638–645; abrufbar unter: https://doi.org/10.1038/s41586-026-10888-8 (20.09.2026).

 

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Alfons XI. und die Fallensteller

Aus aktuellem Anlaß habe ich mich gefragt, ob Alfons XI. bei seiner umfangreichen Gesetzgebungstätigkeit auch gegen Waldbrände bzw. Brandstiftung Sanktionen festgesetzt hat. Immerhin handelt es sich um den Monarchen, in dessen Auftrag der Libro de la montería erstellt wurde. Ausgehend von der u.g. Literatur bin ich – bei einer zugegeben selektiven Quellenauswahl nach dem Prinzip der „heißen Spur“ – nicht fündig geworden. Ergänzungen bzw. die Korrektur meines Befundes sind jederzeit willkommen! Es darf allerdings vermutet werden, daß die Legislation zu dieser Thematik durch Alfons den Weisen und v.a. in den Fueros den Regelungsbedarf bereits abdeckte (vgl. v.a. Gómez Rojo, S. 352–361; außerdem Martínez Ruiz, S. 224). Die von Laso und Bauer (S. 10) zitierte Bestimmung in einem vermeintlichen Ordenamiento von Alcalá aus dem Jahre 1325, mit der der elfte Alfons die Veräußerung bestimmter Waldgebiete (“terrenos comunales”) verboten und ihre Restitution angeordnet habe, ließ sich übrigens weder für das Jahr 1325 noch für 1345 oder für die Ordenamientos von Alcalá des Jahres 1348 (de leyes und de peticiones) ausfindig machen.

Wo man sucht, findet man nicht immer das Gesuchte, oft aber das zunächst Liegende – und so lohnt sich, wo wir schon bei Umweltgeschichte und den königlichen Jagdgebieten sind, sicherlich ein Hinweis auf die letzte Bestimmung des Ordenamiento de peticiones von 1348 (Cortes de los antiguos reinos de León y de Castilla, publicadas por la Real Academia de la Historia, Band 1, Madrid 1861, S. 626, Punkt 131). Insofern keine Eingabe der Ständevertreter erwähnt wird, ist durchaus mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der König den hier angesprochenen Mißstand, nämlich die Jagd mit gefährlichen Fallen, aus eigener Anschauung kannte, und Gefahren für Menschen und Pferde in den Waldrevieren deshalb unterbinden wollte. Ebenso wahrscheinlich ist, daß die an die Amtsträger gerichtete Schlußklausel nicht allgemeiner Vorsicht des Gesetzgebers entsprach, sondern daß es zwischen den Fallenstellern und den örtlichen Bediensteten des Königs des öfteren Komplizenschaft gab oder letztere zumindest ein solches Verhalten duldeten.

Hier der Text der Anordnung (Rechtschreibung wie in der o.g. Edition): Otrosy ffasta aqui armauan çepos grandes enlos montes para los venados grandes, e estos çepos atales eran peligrosos para poder caer en ellos omes o cauallos, tenemos por bien que daqui adelante ningunos non ffagan nin armen çepos grandes con ffierros en que pueda caer oso nin puerco nin çieruo, por guardar el peligro que podria acaesçer en lo que dicho es; et qualquier quelo ffiziere o lo armare, que por la primera vegada que yaga enla cadena medio anno, e por la segunda que yaga esse mismo tiempo enla cadena e le den sesenta açotes, e por la terçera vez quel corten la mano; et esto que gelo escarmienten los ofiçiales delos lugares. Et si nos sopieremos quelo non escarmientan, ssegund dicho es, que nos quel tiremos el ofiçio al que lo ansy non cunpliere e escarmentare commo dicho es. 

Literatur zum Thema in enger Auswahl:
María Encarnación Gómez Rojo, Historia jurídica del incendio en la edad antigua
y en el ordenamiento medieval castellano: implicaciones urbanísticas y medioambientales, in: Revista de Estudios Histórico-Jurídicos (Sección Historia del Derecho Europeo) 33 (2011)
S. 321–373; online verfügbar unter: https://www.rehj.cl/index.php/rehj/article/view/552 (23.08.2026).
María-Pilar Laso/Erich Bauer, La propiedad forestal en España, in: Revista de Estudios Agrosociales 49 (1964), S. 7–53; online verfügbar unter: https://dialnet.unirioja.es/servlet/articulo?codigo=2203330 (23.08.2026).
E. Martínez Ruiz, Apuntes históricos sobre el fuego y el uso de la tierra en España, in: Congreso forestal español. Ponencias y comunicaciones, Band 3, Lourinzán 1993, S. 223–227; online verfügbar unter: https://secforestales.org/publicaciones/index.php/congresos_forestales/article/view/15108/14951 (23.08.2026).

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Neuauflage zum Reich von Murcia

Kürzlich in verbesserter und erweiterter Auflage erschienen, wie man dem Eintrag auf medievalistas.es einschließlich Inhaltsverzeichnis entnehmen kann:

Juan Francisco Jiménez Alcázar, El reino de Murcia: historia, lengua e identidad cultural (siglos XIII-XVII), Mar del Plata: Universidad Nacional de Mar del Plata 2025 (2., verbesserte und erweiterte Aufl.), 240 Seiten, ISBN 978-987-811-246-6.

Die Erstauflage des Werkes ist von 2012. Zu Alfons XI. dürfte insbesondere Kapitel 6 einschlägig sein (“Un nuevo reino: Murcia en los siglos XIV y XV”). Selbstverständlich spielt die doppelte Grenzlage des Reiches von Murcia, zum islamischen Herrschaftsgebiet und zum Königreich Aragón, hier eine wichtige Rolle.

Der Hinweis auf die Neuerscheinung findet sich unter https://medievalistas.es/nueva-publicacion-el-reino-de-murcia-historia-lengua-e-identidad-cultural-siglos-xiii-xvii-de-juan-francisco-jimenez-alcazar/ (aufgerufen am 22.06.2026).

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Die Kanzlei der Königin

Anknüpfend an aktuelle Forschungstendenzen zu den Spezifika weiblicher Königs- bzw. Königinnenherrschaft thematisiert ein jüngst erschienener Aufsatzband Schriftlichkeit und Schriftkultur im Umfeld iberischer Königinnen des Mittelalters. Der schmale Band (170 Seiten) kommt fraglos gut ohne ein Register aus, doch hätte man vielleicht besser nicht auf eine die Beiträge zueinander in Beziehung setzende Einleitung verzichtet. Für dieses Blog ist der Aufsatz von Érika López Gómez über Schriftkultur und Kanzlei der Maria von Portugal, der Ehefrau Alfons’ XI., von Belang: Die Autorin greift damit einen Nebenaspekt ihrer Dissertation wieder auf und setzt sich zum Ziel “un estudio detallado de la oficina de expedición documental de la reina” (S. 72). Ihr gegenwärtiger Beitrag versteht sich freilich nur als Annäherung an das Thema und ist Teil eines größeren Forschungsvorhabens (vgl. ebd.).

López Gómez verzichtet erklärtermaßen darauf, näher auf die Biographie Marias einzugehen (vgl. S. 73), gibt jedoch einen allemal nützlichen Überblick über die mittlerweile recht umfangreiche Forschungsliteratur zu Königin Maria (vgl. S. 73f. Anm. 7). Während der Abschnitt S. 74–81 eine paläographische Analyse zur Urkundenproduktion der Königinnenkanzlei bietet, leistet die Verfasserin anschließend eine Bestandsaufnahme der Originalurkunden (vgl. S. 81–86) und vorhandenen Abschriften (vgl. S. 86–91). Von den Originalurkunden Marias ist, wenig überraschend, keine eigenhändig (vgl. S. 81).

Die auf dieser Grundlage, unter Berücksichtigung äußerer und innerer Merkmale entwickelte Typologie von Marias Urkunden umfaßt “cartas abiertas, provisiones de merced y testamento” (S. 91). Das im portugiesischen Nationalarchiv überlieferte Testament der Königin ist auf den 8. November 1351 datiert, entstand also noch vor ihrem Exil in Portugal, in dem sie schließlich verstarb (vgl. S. 93–95 und 74).

Zum Abschluß des Aufsatzes befaßt López Gómez sich mit dem Kanzleipersonal: “Las noticias que hemos podido reunir sobre el personal que trabaja en la oficina regia de María de Portugal nos confirma que existe una jerarquización interna similar a la de las denominadas cancillerías mayores. Presenta un organigrama sencillo y de reducidas dimensiones, pues se constituyen en atención a los asuntos privados o de la poridat de la soberana.” (S. 97). In Aussicht gestellt wird ein systematischer Abgleich des ermittelten Kanzleipersonals mit dem des Königs und seines Thronfolgers Peter, der auch prosopographisch untermauert werden soll (vgl. S. 100).

Érika López Gómez, Cultura escrita y cancillería de la reina castellana María de Portugal (1313–1357), in: Nicolás Ávila Seoane (Hrsg.), Escritura y escrituras de reinas medievales en la península Ibérica, Murcia 2026 (Monografías de la Sociedad Española de Estudios Medievales 25); kostenloser Download unter: https://medievalistas.es/wp-content/uploads/2026/02/ESCRITURA-web.pdf (aufgerufen am 17.05.2026). 

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Krieg und Frieden an der Grenze zum Emirat Granada

Frisch verteidigt: die an der Universität Sevilla vorgelegte Dissertation von José María Alcántara Valle über La guerra y la paz en la frontera de Granada durante los reinados de los monarcas de la Casa de Borgoña (1252–1369). Man kann angesichts der ganzen Sachlage sicher sein, dass in dieser Monographie auch näher auf die Regierungszeit Alfons’ XI. eingegangen wird, obwohl – nach einer kurzen Recherche im RI OPAC – die bisherigen Veröffentlichungen des Autors sich v.a. der Epoche des als weise angesehenen zehnten Königs dieses Namens widmen. Umso gespannter sind wir auf die derzeit offenbar noch ausstehende Veröffentlichung von Alcántara Valles Doktorarbeit! Sie berührt sich mit der Thematik von Sandra Schieweck-Heringers Dissertation, was das Interesse natürlich noch steigert.

Der Hinweis findet sich auf: https://medievalistas.es/defensa-de-tesis-doctoral-la-guerra-y-la-paz-en-la-frontera-de-granada-durante-los-reinados-de-los-monarcas-de-la-casa-de-borgona-1252-1369-dr-jose-maria-alcantara-valle/ (abgerufen am 26.04.2026).

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Weitere kantabrische Lesefrüchte

Das frisch erschienene, von Jesús Ángel Solórzano Telechea erarbeitete und von der Sociedad Española de Estudios Medievales im “Open Access” veröffentlichte Urkundenbuch zur mittelalterlichen Geschichte der kantabrischen Stadt Torrelavega bietet auch mehrere Quellenzeugnisse aus der Zeit Alfons’ XI. (Nr. 3–9), darunter ein Mandat des noch minderjährigen Königs von 1315 Juni 13 zugunsten der Bewohner von Bezares (Nr. 4, Ort vom Editor nicht identifiziert) und ein Privileg des zur Herrschaft gelangten Monarchen für seinen Vertrauten Garcilaso de la Vega, der hier merino mayor in Kastilien und Großkanzler genannt wird, von 1326 April 2 (Nr. 6). Zur Familie de la Vega enthält das Urkundenbuch etliche weitere Belege aus der Regierungszeit des elften Alfons und darüber hinaus, wobei auch die erstgenannte Urkunde eine Weisung an Garcilaso enthält. Hinsichtlich der Überlieferung ist die Einleitung des Bandes recht knapp gehalten (vgl. S. 45–49). Das Urkundenbuch bringt jedoch an etlichen Stellen Sacherläuterungen und textkritische Anmerkungen.

Die mit einem Bleisiegel versehene Urkunde für Bezares findet sich ebenfalls in Alejandra Recuero Listas Urkundenanhang (El Reinado de Alfonso XI de Castilla (1312–1350), Diss. phil. Universidad Autónoma de Madrid 2016, S. 947, dort Besares, aber aus der gleichen archivischen Vorlage). Demgegenüber fehlt in Recuero Listas Appendix – was bei spätmittelalterlichen Überlieferungsverhältnissen bekanntlich in den besten Familien vorkommt – das o.g. Privileg für Garcilaso de la Vega.

Jesús Ángel Solórzano Telechea (Bearb.), Torrelavega en la Edad Media. Su memoria en pergamino y papel. Colección documental (1315–1533), Madrid 2026 (Colección Documentos No. 3); zum kostenlosen Download verfügbar auf https://medievalistas.es/wp-content/uploads/2026/02/TORRELAVEGA-WEB.pdf (06.03.2026).

 

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Papstgeschichte zum Jahreswechsel

Die Sociedad Española de Estudios Medievales hat vor wenigen Tagen im “Open Access” einen 718 Seiten starken Sammelband über die Papstbeziehungen der iberischen Königreiche im Mittelalter veröffentlicht, der die Thematik in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert – jedoch leider auf Indizes verzichtet. Eine erste Durchsicht zeigt, daß zwar keiner der Beiträge explizit den Papst- bzw. Kurienbeziehungen Alfons’ XI. gewidmet ist, insbesondere die Aufsätze von Vicente Ángel Álvarez Palenzuela und Jorge Fernández Toribio aber auf dessen Königsherrschaft eingehen. In beiden Studien (wie auch anderswo im Band) spielt übrigens der spätere Kardinal und damalige Toledaner Erzbischof Gil de Albornoz eine Rolle.

Jorge Díaz Ibáñez/María José Cañizares Gómez/Mário Farelo (Hrsg.), El papado y los reinos hispánicos en la Edad Media, Murcia 2025 (Monografías de la Sociedad Española de Estudios Medievales 23); online verfügbar unter: https://medievalistas.es/23-el-papado-y-los-reinos-hispanicos-en-la-edad-media/ (aufgerufen am 27.01.2026); darin: Vicente Ángel Álvarez Palenzuela, Monarquías hispanas y Pontificado en tiempos de asedio a la autoridad pontificia, S. 357–401; Jorge Fernández Toribio, Presentación de recursos a la sede apostólica por parte de los vasallos del arzobispo y del cabildo de Toledo, S. 455–471.

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Noch einmal: Neues von Yersinia pestis

Die Corona-Pandemie hat, müßig zu sagen, auch das Forschungsinteresse an der spätmittelalterlichen Pest gesteigert – durch die Verknüpfung mit klimageschichtlichen Fragestellungen gewinnt die Thematik für die zeitgenössischen Rezipienten selbstverständlich an Aktualität und Brisanz. Unlängst hat beispielsweise ein neuer Erklärungsansatz, weshalb der Krankheitserreger überhaupt in den Mittelmeerraum und von dort aus in weitere Teile Europas eingeschleppt wurde, Aufmerksamkeit über die fachwissenschaftlichen Diskurse hinaus gefunden, etwa in der Frankfurter Rundschau (aufgerufen am 14.12.2025). Folgt man Martin Bauch und Ulf Büntgen, so führte eine vulkanisch verursachte Klimaverschlechterung zu Mißernten und damit zu Getreideimporten der italienischen Seerepubliken aus der Schwarzmeerregion, mit den bekannten fatalen Folgen.

Deren Ausmaß in den Jahren seit 1347 ist im Einzelnen durchaus diskutabel. So hat Gerhard Fritz in einer vor wenigen Monaten erschienenen Monographie eben diese Frage v.a. für Südwestdeutschland zu beantworten versucht. Insofern seine gehaltvolle Darstellung nicht Südwest-Europa gilt, mögen die wohldifferenzierten Ergebnisse hier auf sich beruhen. Seinen die bisherige Forschung korrigierenden Hinweis, daß Alfons XI. nur bei enggefaßter Definition des Begriffs “Monarch” das einzige Opfer des Schwarzen Todes aus dieser Personengruppe war und durchaus etliche andere Potentaten bis hin zum Moskauer Großfürsten an der Seuche verstarben (vgl. S. 49), nehmen wir hier aber gerne auf.

Eine Fallstudie zum Schwarzen Tod in Córdoba hat 2021 David Fernández Sánchez veröffentlicht. Derselbe Autor hat 2022 einen Überblicksartikel über die Entwicklung der Pest im spätmittelalterlichen Kastilien vorgelegt, der allerdings zumindest für die Jahre um 1350 nicht über die bisherige Forschung hinausgeht. (Die kritische Revision der bisherigen Forschung zur Pest in Iberien von Guillermo Castán Lanaspa [2020] wurde bereits früher in diesem Blog gewürdigt.) Der klimageschichtliche Ansatz, konkret: die Suche nach den Ursachen von Mißernten und Hungersnöten, bei dem Bauch und Büntgen nur ganz beiläufig auf die Iberische Halbinsel und nicht auf Kastilien im Besonderen eingehen, wird in Fernández’ Aufsätzen nicht betrieben.

Selbstverständlich stünden eingehendere Forschungen hierzu immer unter dem Vorbehalt einer hinreichenden Grundlage in den historischen Quellen und naturwissenschaftlichen Befunden. Dennoch: Gerade was die Regierungszeit des Onceno betrifft, wüßte man sehr gerne Näheres über die Klima- und Ernährungsbedingungen, unter denen die letzten, so bedeutenden Feldzüge des Königs stattfanden. Dem Hungerjahr 1343 war vor gut drei Jahren bereits ein Blogeintrag an dieser Stelle gewidmet. Bauch und Büntgen untersuchen demgegenüber eine Versorgungskrise bzw. Hungersnot der Jahre 1345 bis 1347. Ob am Ende dieselben vulkanischen Einwirkungen bereits für das genannte Hungerjahr in Kastilien verantwortlich waren, wäre vielleicht näher zu untersuchen.

Martin Bauch/Ulf Büntgen, Climate-driven changes in Mediterranean
grain trade mitigated famine but introduced the Black Death to
medieval Europe, in: Communications Earth & Environment 6, 986 (2025), S. 1–9, online verfügbar unter: https://doi.org/10.1038/s43247-025-02964-0 (14.12.2025).
Gerhard Fritz, Pest, Krieg, Klima, Wirtschaft. Zur Krise des 14. Jahrhunderts in Südwestdeutschland und seinen Nachbargebieten, Stuttgart 2025 (Medizin, Gesellschaft und Geschichte. Beiheft 85), Open-Access-Publikation, verfügbar unter: https://www.steiner-verlag.de/Pest-Krieg-Klima-Wirtschaft/9783515136747 (14.12.2025).
David Fernández Sánchez, La Peste Negra en la Corona de Castilla (siglos XIV y XV): el caso de Córdoba, in: Revista Anahgramas 8 (2021), S. 140–185, online verfügbar unter https://doi.org/10.21071/ahgm.vi.16554 (14.12.2025).
Ders., Evolución de la Peste Negra en la corona de Castilla: nuevos datos para la reconstrucción histórica, in: Meridies 13 (2022), S. 69–93; online verfügbar u.a. unter https://www.researchgate.net/publication/368356475_Evolucion_de_la_Peste_Negra_en_la_Corona_de_Castilla_nuevos_datos_para_la_reconstruccion_historica (14.12.2025) oder https://helvia.uco.es/xmlui/handle/10396/25389 (14.12.2025).

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Fiskalgeschichtliches

José Damián González Arce, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Murcia und zur Thematik durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen ausgewiesen, gibt in der Zeitschrift Historia Digital einen Überblick über die Entwicklung des kastilischen Fiskus vom 13. bis zum 15. Jh. Die Untersuchung ist nachvollziehbarerweise nach Einnahmearten gegliedert und enthält demgemäß in mehreren Abschnitten Ausführungen zur Regierungszeit Alfons’ XI., namentlich zum montazgo, zur alcabala und zur Salzbesteuerung.

José Damián González Arce, La Hacienda Regia Castellana. Evolución de los sistemas impositivos y formación de una fiscalidad estatal (siglos XIII-XV), in: Historia Digital  XXV, 45, S. 1-48; online verfügbar unter: https://dialnet.unirioja.es/ejemplar/697286 (12.10.2025).

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Das Ende der Thronfolgekrise

Der Rechtshistoriker Martín Molina López befasst sich in seiner jüngst erschienenen, gut 400 Seiten starken Monographie mit der Thronfolgekrise bzw. dem andauernden Konflikt um die dynastische Legitimität in der Nachfolge Alfons’ des Weisen, der durch den frühen Tod seines Erstgeborenen Ferdinand (genannt de la Cerda) grundgelegt wurde. Hervorgegangen ist das Buch aus Molinas rechtshistorischer Dissertation (vgl. S. 9). Die Aufmerksamkeit des Bloggers hat der Band schon dadurch geweckt, daß als Epochenjahr für die letzte der untersuchten Regierungszeiten, eben die des elften Alfons, 1331 herangezogen wird – nicht etwa 1325 (Regierungsantritt) oder 1332 (Krönung) oder das Todesjahr 1350. Gewählt hat Molina López dieses Epochenjahr, weil sich der Thronprätendent Alfons de la Cerda damals dem regierenden kastilischen Monarchen unterwarf und für den Verzicht auf seine Ansprüche eine – nicht sehr umfangreiche – Entschädigung erhielt (vgl. S. 410).

Mit Rücksicht auf unsere Thematik war es etwas ernüchternd festzustellen, daß sich faktisch nur die letzten beiden Darstellungsabschnitte der Königsherrschaft des Onceno widmen (S. 375–414, Abschnitte 3.3.5f.), doch kann man daraus dem Autor keinen Vorwurf machen. Molina López’ Vorgehensweise ist im wesentlichen chronologisch und ereignisgeschichtlich. Da es um dynastische Legitimität und den Zugang zur Königsherrschaft geht, spielen selbstverständlich auch die führenden Adligen der Krone Kastilien eine große Rolle, in der Zeit der Vormundschaftsregierung und darüber hinaus. In gewisser Weise hält das Buch – immer aus der Perspektive dieses Blogs – dann doch mehr, als sein Titel vermuten läßt, denn es behandelt den Gang der Ereignisse und die Entwicklung von Alfons’ Königsherrschaft bis zum Ordenamiento de Alcalá von 1348 (S. 412f.).

Insofern sich der Band an ein größeres Publikum von Geschichtsinteressierten richtet, ist der Verzicht auf einen Anmerkungsapparat verständlich. Angesichts des relativ stattlichen Umfangs wäre ein Register allerdings nützlich. Die bibliographische Grundlage der Monographie weist einige bemerkenswerte Lücken auf. So scheint Molina López die umfassende Darstellung der Regierungszeit Alfons’ XI. aus der Feder von Alejandra Recuero Lista (2016) nicht zu kennen; auch die Auseinandersetzung mit Rodríguez Velascos konzeptionell anspruchsvollem Werk Order and Chivalry (2010) hätte weitere Einsichten in die gewählte Fragestellung ermöglichen können.

Martín Molina [López], Crisis sucesoria y luchas por el poder en la Corona de Castilla (1275–1331). Alfonso X el Sabio, Sancho IV el Bravo, Fernando IV el Emplazado y Alfonso XI el Justiciero. Prólogo: Dionisio A. Perona Tomás, Madrid: Dykinson 2025 (Monografías de Derecho Penal), ISBN 979-13-7006-077-0, 35 Euro.