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Aus der Blogosphäre

Dissertation zur Kollegiatkirche San Salvador de Sevilla verteidigt

Fernando Quiles Castro hat seine Qualifikationsschrift über die genannte Kollegiatkirche im späten Mittelalter an der Universität Sevilla verteidigt: https://medievalistas.es/defensa-de-tesis-doctoral-la-iglesia-colegial-de-san-salvador-de-sevilla-durante-la-baja-edad-media-dr-fernando-quiles-castro/ (aufgerufen am 10.10.2026). Die Arbeit kann online unter https://hdl.handle.net/11441/188871 (Aufrufdatum wie vor) abgerufen werden. Sie geht an einigen Stellen auch auf die Entwicklung der Stadtverfassung bzw. der oligarchischen Strukturen in Sevilla unter Alfons XI. ein und thematisiert die mutmaßlichen Auswirkungen der Kirchenpolitik des Königs auf San Salvador de Sevilla (vgl. S. 368). Wir gratulieren unbekannterweise, aber herzlich zur Verteidigung.

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Ankündigungen Veranstaltungen

Tagungsband “Metrópolis” erschienen

Kathedrale von Santiago de Compostela (2015), Foto: Diego Delso, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons.

Der Tagungsband zum XIII. Internationalen Kongress für Jakobusstudien ist vor kurzem erschienen und steht, zusätzlich zur Druckfassung, schon zum kostenlosen Download bereit: https://www.caminodesantiago.gal/es/conocimiento-e-investigacion/bibliografia-jacobea (15.02.2026). Für die Thematik dieses Blogs ist v.a. von Interesse der Aufsatz von Armand Jamme, Compostela en y por la curia romana: ecos de un proceso de normalización centro-periferia (S. 399–421). Er geht ausführlich auf die Kurienbeziehungen in der Regierungszeit Alfons’  XI. ein. Auch der Compostellaner Erzbischof Berengar de Landoria spielt in diesem Beitrag (und eher beiläufig zudem in weiteren Aufsätzen des Bandes) eine Rolle.

Klaus Herbers (Hrsg.), Metrópolis: Santiago y Roma, 900 años de historia. XIII Congreso Internacional de Estudios Jacobeos, Santiago de Compostela 2025.

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Papstgeschichte zum Jahreswechsel

Die Sociedad Española de Estudios Medievales hat vor wenigen Tagen im “Open Access” einen 718 Seiten starken Sammelband über die Papstbeziehungen der iberischen Königreiche im Mittelalter veröffentlicht, der die Thematik in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert – jedoch leider auf Indizes verzichtet. Eine erste Durchsicht zeigt, daß zwar keiner der Beiträge explizit den Papst- bzw. Kurienbeziehungen Alfons’ XI. gewidmet ist, insbesondere die Aufsätze von Vicente Ángel Álvarez Palenzuela und Jorge Fernández Toribio aber auf dessen Königsherrschaft eingehen. In beiden Studien (wie auch anderswo im Band) spielt übrigens der spätere Kardinal und damalige Toledaner Erzbischof Gil de Albornoz eine Rolle.

Jorge Díaz Ibáñez/María José Cañizares Gómez/Mário Farelo (Hrsg.), El papado y los reinos hispánicos en la Edad Media, Murcia 2025 (Monografías de la Sociedad Española de Estudios Medievales 23); online verfügbar unter: https://medievalistas.es/23-el-papado-y-los-reinos-hispanicos-en-la-edad-media/ (aufgerufen am 27.01.2026); darin: Vicente Ángel Álvarez Palenzuela, Monarquías hispanas y Pontificado en tiempos de asedio a la autoridad pontificia, S. 357–401; Jorge Fernández Toribio, Presentación de recursos a la sede apostólica por parte de los vasallos del arzobispo y del cabildo de Toledo, S. 455–471.

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Fundstücke

Noch einmal: die Cluniazenser im Kastilien des Onceno

Die ehemals cluniazensische Kirche San Martín de Frómista (2024, Foto: Frank Engel).

Zum morgigen Allerseelenfest, das den Cluniazensern bekanntlich sehr wichtig war, ist es wohl nicht unpassend, noch einmal auf das Thema “Die Cluniazenser im Kastilien Alfons’ XI.” zurückzukommen. Sehr aktuell ist hierzu ein Aufsatz von Carlos Manuel Reglero de la Fuente im Archivo Ibero-Americano (2023). Der Vallisoletaner Lehrstuhlinhaber und ausgewiesene Kenner der Thematik befaßt sich hierin mit der Reform der kastilischen Cluniazenserpriorate im Spätmittelalter. Obwohl der elfte Alfons in der Studie nicht direkt vorkommt, geht es durchaus auch um Ereignisse und Entwicklungen seiner Regierungszeit, beispielsweise um das benediktinische Provinzialkapitel von 1338, an dem der Cluniazenserprior von Carrión teilnahm (vgl. S. 32).

Carlos Manuel Reglero de la Fuente, La reforma de los prioratos cluniacenses castellanos en la Baja Edad Media: de Cluny a Valladolid, in: Archivo Ibero-Americano 83, Nr. 296 (2023), S. 27–56; online verfügbar unter https://revistasfranciscanas.org/index.php/ArchivoIberoAmericano/article/view/266/280 (aufgerufen am 01.11.2024). Nr. 296 der Zeitschrift ist mit dem Themenschwerpunkt “Agentes políticos y eclesiásticos en la(s) reforma(s) de las órdenes religiosas durante la Baja Edad Media (c. 1250-1500)” zugleich als Gedenkschrift für den 2019 verstorbenen Franziskaner Francisco Víctor Sánchez Gil konzipiert.

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Aus der Blogosphäre Fundstücke

Der Averroismus und ein franziskanischer Zeitgenosse des Onceno

Thomas Hendrik Kaal (London) befasst sich im Rahmen eines größeren Forschungsprojektes mit der Darstellung des jüdischen Averroismus in christlichen Quellen, insbesondere in dem häresiologischen Traktat Collyrium fidei des Franziskaners Álvaro Pelayo. Ein Bezug zur Thematik dieses Blogs ergibt sich daraus, daß Álvaro, damals bereits zur Würde des Bischofs von Silves in Portugal gelangt, seine späten Lebensjahre im kastilischen Exil verbrachte, nämlich in Sevilla, und für Alfons XI. ein Speculum regum verfaßte (1341–1344). Das Collyrium ist wohl ebenfalls noch zu Lebzeiten des Königs entstanden.

Thomas Hendrik Kaal, Averroism in Iberia: Yitzhak Baer, Álvaro Pelayo and Questions about Jewishness (veröffentlicht am 04.09.2024), Blog der Arbeitsgemeinschaft Iberomediaevistik, https://doi.org/10.58079/128w4 (11.09.2024). – Zu Leben und Werk des Álvaro Pelayo vgl. hier nur den Eintrag von Maarten van der Heijden/Bert Roest in: Franciscan Authors: 13th-18th Century: A Catalogue in Progress, https://franciscanauthors.rich.ru.nl/franauta.htm#_Toc427590359 (11.09.2024).

 

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Die Bruderschaft Unserer Lieben Frau auf dem Pfeiler in Sevilla und Alfons XI.

 

Gnadenbild U.L.F. auf dem Pfeiler in Zaragoza. Foto: David Abián (2011). Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/.
Gnadenbild U.L.F. auf dem Pfeiler in Zaragoza. Foto: David Abián (2011). Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/.

Zufallsfund bei der ehrenamtlichen Arbeit am Zaragoza-Band der Iberia Pontificia (Dioecesis Caesaraugustana): Andrea Mariana Navarro befasst sich in ihrem Aufsatz von 2018 mit jener Marienbruderschaft in Sevilla, die sich nach der legendarisch überlieferten Erscheinung der Gottesmutter vor Jakobus dem Älteren auf einem Pfeiler bzw. einer Säule benannte; bekanntlich wird diese in erster Linie mit der zugehörigen Wallfahrtsstätte in Zaragoza assoziiert. Aragonesischen Ursprungs war auch die in Sevilla unter diesem Patrozinium gegründete Bruderschaft (vgl. S. 56). Sie hatte ritterlich-militärischen Charakter, betätigte sich zugleich im Hospitalwesen und zeichnete sich durch eine große soziale Offenheit bspw. auch für weibliche Mitglieder aus – mit dem erklärten Ziel, die wirtschaftliche Grundlage für die Tätigkeit der Bruderschaft durch diese Offenheit zu vergrößern (vgl. S. 60; zu Einschränkungen der Offenheit in den 1330er Jahren vgl. S. 69). Daß Alfons XI. sie förderte und zugleich zu einem seiner Herrschaftsinstrumente machte, paßt alles in allem bestens in das Bild, das die Forschung von seiner Regierungszeit gezeichnet hat. Sevilla spielte aus verschiedenen Gründen, nicht zuletzt wegen des andalusischen Kriegssschauplatzes, eine herausragende Rolle für das politische und militärische Engagement des Königs (vgl. S. 64f.). Auch die ausgeprägte Jakobusverehrung des Monarchen kann ihm die Förderung des Pilar-Kultes nahegelegt haben (vgl. S. 58). Wenngleich die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bruderschaft letztlich für die gesteckten Ziele unzureichend war (vgl. S. 69), erwies sich ihre Förderung durch den König unter dem Aspekt der Netzwerkbildung doch als Erfolg: “En esa etapa clave en que Alfonso XI buscaba fortalecerse y poner orden en sus dominios hay que destacar la importancia de la red de relaciones sociales que articuló a través de la cofradía de Nuestra Señora del Pilar secundado por distintos grupos de poder. Alfonso XI consiguió situar a los cofrades vinculados al concejo municipal de Sevilla, a la Casa y Corte real, a los Adelantados de Frontera, nobles y caballeros, a las Ordenes Militares, así como al clero regular y secular y a las dignidades eclesiásticas de Castilla más cerca de la institución regia y bajo su protección, convirtiendo a la cofradía en otro centro para la afirmación de su poder y de su política.” (S. 68)

Andrea Mariana Navarro, La cofradía de Nuestra Señora del Pilar: entre la religiosidad popular, la devoción y el servicio al rey Alfonso XI (1325–1350) in: Revista Chilena de Estudios Medievales 13 (2018), S. 54–73; online verfügbar unter: https://dialnet.unirioja.es/ejemplar/496358 (31.08.2024).

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Alfons XI. und der Compostellaner Erzbischof Berengar de Landoria

Wie es sich in der Stadt des Apostelgrabes gehört, habe ich am Rande des derzeit stattfindenden Internationalen Kongresses für Jakobusstudien einen – nun, nicht gerade wundersamen, aber doch positiv überraschenden bibliographischen Fund gemacht. Von einem Stapel bereitgelegter Sonderdrucke nahm ich ein Exemplar von Maria José Azevedo Santos’ Aufsatz über die Pilgerfahrt der heiligen Isabel von Portugal und Berengar de Landoria aus dem Jahr 2021 (La peregrinación de la Reina Santa Isabel de Portugal y don Berenguel de Landoria). Wie sich schnell zeigte, ist ein beträchtlicher Teil des Tagungsbandes über den bedeutenden Generalmagister der Dominikaner und Erzbischof von Santiago (1317–1330) für dieses Blog einschlägig, insbesondere auch die Einleitung der Herausgeberin Adeline Rucquoi (Berenguel de Landoria y los dominicos en la Castilla de Alfonso XI).

Adeline Rucquoi (Hrsg.in), Berenguel de Landoria. XI Congreso Internacional de Estudios Jacobeos (Santiago de Compostela – 19-22 de febrero de 2020), o.O. 2021 (Xunta de Galicia. Colección Científica).

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Santiago und Rom im Juni

Vom 26. bis 29. Juni findet in Santiago de Compostela der XIII. Internationale Kongreß für Jakobusstudien statt, diesmal unter dem Leitbegriff der Metropole. Die Thematik dürfte auch Bezüge zum Kastilien Alfons’ XI. bzw. seiner Regierungszeit bieten. Deshalb hier die convocatoria, die soeben von den Organisatoren mit der Bitte um Weiterverbreitung verschickt wurde.

CfP Santiago de Compostela, 26.-29. Juni 2024

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Kardinal Albornoz und sein Verhältnis zum Judentum

Grabmal des Kardinals Albornoz in der Kathedrale von Toledo. Foto: Manuel Parada López de Corselas (2012). Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/.

Mit dem – insgesamt positiven – Verhältnis des Toledaner Erzbischofs und Kardinals Gil Álvarez Carrillo de Albornoz zu den jüdischen Gemeinschaften in Spanien und Italien befaßt sich Mario Mirabile in der digitalen Zeitschrift Mediaeval Sophia (2020). Er geht auch ausführlich auf das Schicksal der kastilischen Juden in der Zeit des Onceno ein und insbesondere auf die in der Forschung durchaus strittige Tendenz des Ordenamiento de Alcalá von 1348 – war dieses eher pro- oder antijüdisch in der Zielsetzung seiner einschlägigen Bestimmungen und namentlich im Verbot des “Wuchers”? Mirabile schließt sich der u.a. von Recuero Lista vertretenen Ansicht an, der angebotene Ausweg des erblichen Landerwerbs sei Ausdruck des königlichen Wohlwollens gewesen (vgl. S. 57). Hoch veranschlagt wird von Mirabile der Einfluß des Erzbischofs Albornoz bei der Ausarbeitung des Gesetzeswerkes (vgl. S. 56).

Mirabiles Ausführungen zur Haltung des Königs gegenüber dem Judentum werden seit kurzem übrigens ergänzt durch Patricia Mangada Cañas’ Dissertation von 2021 (v.a. S. 148–155).

Mario Mirabile, Le relazioni tra il cardinale Gil de Albornoz
e gli ebrei in Spagna e in Italia, in: Mediaeval Sophia 22 (2020), S. 47–65, verfügbar unter: https://mediaevalsophia.net/_fascicoli/22/04_mirabile.pdf (aufgerufen am 11.12.2023).

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Allerseelen im Reiche des Onceno

Die Capilla de San Martín in der Alten Kathedrale von Salamanca: das Jüngste Gericht. Foto: Miguel Hermoso Cuesta (2018). Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/.

Juan Ruiz Jiménez widmet sich in einem 2014 erschienenen Aufsatz der Liturgie und musikalischen Ausgestaltung des Allerseelenfestes in der Kathedrale von Sevilla. Hierbei geht es nur ganz am Rande um die Lebens- und Regierungszeit des Onceno, etwa dort, wo vom Totengedenken zweier zeitgenössischer Erzbischöfe von Sevilla die Rede ist (v.a. S. 251), doch immerhin: Wie bei so manchen mediävistischen Fragestellungen kann auch im Zusammenhang mit König Alfons XI. der Hinweis nicht schaden, daß die liturgischen Gegebenheiten von Kirchen- wie Profanhistorikern immer mitbedacht werden sollten, sobald es um das religiöse Leben geht. Das oben abgebildete Fresko aus Salamanca wird von Ruiz Jiménez übrigens im Anschluß an eine jüngere Untersuchung auf 1342 datiert (S. 244) und gilt als eine der frühesten bildlichen Darstellungen des Purgatoriums.

Juan Ruiz Jiménez, Música y ritual en la procesión del día de difuntos en la catedral de Sevilla (ss. XIV–XVII), in: Medievalia 17 (2014), S. 243–277; digital abrufbar unter: https://revistes.uab.cat/medievalia/article/view/v17-ruiz/pdf_15 (05.11.2022).