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Die Kanzlei der Königin

Anknüpfend an aktuelle Forschungstendenzen zu den Spezifika weiblicher Königs- bzw. Königinnenherrschaft thematisiert ein jüngst erschienener Aufsatzband Schriftlichkeit und Schriftkultur im Umfeld iberischer Königinnen des Mittelalters. Der schmale Band (170 Seiten) kommt fraglos gut ohne ein Register aus, doch hätte man vielleicht besser nicht auf eine die Beiträge zueinander in Beziehung setzende Einleitung verzichtet. Für dieses Blog ist der Aufsatz von Érika López Gómez über Schriftkultur und Kanzlei der Maria von Portugal, der Ehefrau Alfons’ XI., von Belang: Die Autorin greift damit einen Nebenaspekt ihrer Dissertation wieder auf und setzt sich zum Ziel “un estudio detallado de la oficina de expedición documental de la reina” (S. 72). Ihr gegenwärtiger Beitrag versteht sich freilich nur als Annäherung an das Thema und ist Teil eines größeren Forschungsvorhabens (vgl. ebd.).

López Gómez verzichtet erklärtermaßen darauf, näher auf die Biographie Marias einzugehen (vgl. S. 73), gibt jedoch einen allemal nützlichen Überblick über die mittlerweile recht umfangreiche Forschungsliteratur zu Königin Maria (vgl. S. 73f. Anm. 7). Während der Abschnitt S. 74–81 eine paläographische Analyse zur Urkundenproduktion der Königinnenkanzlei bietet, leistet die Verfasserin anschließend eine Bestandsaufnahme der Originalurkunden (vgl. S. 81–86) und vorhandenen Abschriften (vgl. S. 86–91). Von den Originalurkunden Marias ist, wenig überraschend, keine eigenhändig (vgl. S. 81).

Die auf dieser Grundlage, unter Berücksichtigung äußerer und innerer Merkmale entwickelte Typologie von Marias Urkunden umfaßt “cartas abiertas, provisiones de merced y testamento” (S. 91). Das im portugiesischen Nationalarchiv überlieferte Testament der Königin ist auf den 8. November 1351 datiert, entstand also noch vor ihrem Exil in Portugal, in dem sie schließlich verstarb (vgl. S. 93–95 und 74).

Zum Abschluß des Aufsatzes befaßt López Gómez sich mit dem Kanzleipersonal: “Las noticias que hemos podido reunir sobre el personal que trabaja en la oficina regia de María de Portugal nos confirma que existe una jerarquización interna similar a la de las denominadas cancillerías mayores. Presenta un organigrama sencillo y de reducidas dimensiones, pues se constituyen en atención a los asuntos privados o de la poridat de la soberana.” (S. 97). In Aussicht gestellt wird ein systematischer Abgleich des ermittelten Kanzleipersonals mit dem des Königs und seines Thronfolgers Peter, der auch prosopographisch untermauert werden soll (vgl. S. 100).

Érika López Gómez, Cultura escrita y cancillería de la reina castellana María de Portugal (1313–1357), in: Nicolás Ávila Seoane (Hrsg.), Escritura y escrituras de reinas medievales en la península Ibérica, Murcia 2026 (Monografías de la Sociedad Española de Estudios Medievales 25); kostenloser Download unter: https://medievalistas.es/wp-content/uploads/2026/02/ESCRITURA-web.pdf (aufgerufen am 17.05.2026). 

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Noch einmal: portugiesische Waffenhilfe und ihre Tragweite

Um die portugiesische Unterstützung für Alfons XI. in der Schlacht am Salado ging es bereits vor längerer Zeit in einem Blogeintrag. Ein frisch erschienener Aufsatz von Manuel López Fernández behandelt diese Thematik ausführlich. Er bewertet die Beteiligung portugiesischer Kräfte am militärischen Geschehen kurz gesagt als bedeutsam, gelangt also zu einer weniger zurückhaltenden Einschätzung, als sie seinerzeit in diesem Blog formuliert wurde. Der Schlachtensieg habe überdies eine große künstlerisch-kulturelle Nachwirkung in beiden Königreichen gehabt.

Manuel López Fernández, La ayuda portuguesa en la batalla del Salado (1340), in: Almoraima. Revista de Estudios Campogibraltareños 62 (April 2025), S. 11–19; online verfügbar unter: https://institutoecg.es/wp-content/uploads/2025/04/1.-Ayuda-portu-Salado.pdf  (24.05.2025).

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Umfassende Studie zu Maria von Portugal

Ana Arranz Guzmán, Professorin an der Complutense und zweifellos eine der besten Kennerinnen der Regierungszeit Alfons’ XI., befaßt sich im 2023 erschienenen Aufsatzband Castilla y Portugal en la Edad Media ausführlich mit Maria von Portugal, der Gemahlin des Onceno. Selbstverständlich wird die neuere Forschung zu den Rahmenbedingungen und Spezifika der Herrschaft von Königinnen rezipiert (vgl. S. 239–241). Insbesondere jedoch enthält der Beitrag eine umfassende Bestandsaufnahme der chronikalischen und urkundlichen Quellen, in denen die iberischen und außeriberischen Kontakte und Aktivitäten der von Alfons weitgehend zurückgesetzten Königin aufscheinen. Das von Arranz Guzmán gezogene Fazit der “reginalen” Wirksamkeit ist denn auch ernüchternd (S. 247): “El ascendiente de la reina sobre el rey era nulo. Esta realidad, así como la documentación comentada a lo largo de estas páginas sobre sus relaciones con otros reinos cristianos, incluido el de su padre y el propio Pontificado, confirma el escaso eco, la mínima proyección disfrutada por doña María en las cortes vecinas.”

Ana Arranz Guzmán, Una mujer entre reyes: la percepción de María de Portugal fuera de la corte castellana, in: César Olivera Serrano, Castilla y Portugal en la Edad Media: relaciones, contactos, influencias (siglos XII–XV), Madrid: Dykinson 2023 (Extravagantes 18), S. 191–251; der Band ist kostenlos online verfügbar unter: Castilla y Portugal en la Edad Media. Relaciones, contactos, influencias (siglos XII-XV) (uc3m.es) (28.01.2024).

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Ein Freibeuterangriff 1336

Von den durchaus nicht konfliktfreien Beziehungen des Onceno zu seinem portugiesischen Schwiegervater Alfons IV. war in diesem Blog bereits früher die Rede. Fernando Pessanha, Doktorand an der Universität Huelva, erörtert in einem 2021 erschienenen Aufsatz detailliert eine Episode des portugiesisch-kastilischen Kriegs von 1336 bis 1339. Konkret geht es um die in der bisherigen Literatur nicht unbeachtete, aber hinsichtlich ihres Erfolges unterschiedlich gedeutete Expedition des portugiesischen Freibeuters Gonçalo Camelo gegen die andalusische Atlantikküste. Ein Hinweis auf Pessanhas militärgeschichtliche Studie mit regionalem Fokus lohnt sich m.E. schon deshalb, weil die (Prosa-)Chroniken zu Alfons XI. auf das Geschehen nicht eingehen (vgl. S. 8 und 19) und Pessanha seine Quellenbasis in drei portugiesischen Geschichtswerken des 15. und 16. Jh. findet (vgl. S. 8). Ob das Poema de Alfonso XI die Ereignisse in irgendeiner Weise aufgreift, wäre allerdings noch zu überprüfen.

Fernando Pessanha, La expedición del corsario portugués D. Gonçalo Camelo a las costas de Huelva en 1336, in: Huelva en su Historia 15 (2021), S. 7–34; online abrufbar unter: https://doi.org/10.33776/hh.v15i0.5280 (08.01.2023).